MEMMELSDORF/Unterfranken

Gründung: 1835 – Fläche: 3340 qm

Man muss schon ortskundig sein, um den Beth Olam der einstigen jüdischen Gemeinde Memmelsdorf zu finden, der ca. 2,5 km vom Ort entfernt, auf einer Anhöhe im Wald liegt. Die Einfriedung besteht aus einer gut erhaltenen bemoosten Steinblockmauer und einem Holzlattentor. Auf dem westlichen Abschnitt des Friedhofs stehen die älteren, nach vorne, dem östlichen Teil, die neueren der ca. 100 Mazzewot. Der eingefriedete Teil des Friedhofs ist jedoch nicht das gesamte Areal, wie im Jahre 1960 vom damaligen Bürgermeister und einem einstigen jüdischen Bewohner Memmelsdorfs bestätigt wurde. Auch der südliche unbelegte Teil des Friedhofs – heute Waldgebiet – war früher mit einer Steinmauer eingefriedet. Bei einer in den fünfziger Jahren erfolgten Instandsetzung der Einfriedung hat man dann die Mauer von der Südseite um ca. 50 Meter versetzt. Wer dies veranlasste, konnte heute nicht mehr recherchiert werden.

Jüdischer Friedhof Memmelsdorf

Schon lange Zeit bevor dieser Gute Ort angelegt wurde, kamen die ersten Juden nach Memmelsdorf. Der Dreißigjährige Krieg verschlug sie an den Ort. Im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts baute sich die Kehilla eine Synagoge, jedoch nicht später also 1728/29, was die Eingravierung der Jahreszahl (…….) am Chuppastein beweist. Anfang des 19. Jahrhunderts waren ca. 30% der Ortsbevölkerung Juden.
1819 wurde eine jüdische Grundschule eröffnet (bestand bis 1912). 1814 kaufte der jüdische Hofbankier Jakob Hirsch aus München ein Landgut in der Nähe Memmelsdorfs, durch das er für sich Patrimonialgerichtsbarkeit (Rechtsprechung durch den Grundherrn) für den Ort erwarb. Diese führte er aus, bis ein Gericht im Jahre 1848 diese Rechtsprechung aufhob.
Seiner großen Verantwortung bewusst, verteilte er im Hungerjahr 1817 Brot, Samen und Getreide unter den Armen Memmelsdorfs. Doch nicht nur durch Jakob Hirsch sel. A. äußerte sich der Nutzen für die Dorfgemeinschaft.

Eine Reihe von Stiftungen, die von zwei aus Memmelsdorf stammenden Hamburger Brüdern, Marcus und Jakob Nordheimer sel. A., 1875 getätigt wurden, sind zu erwähnen. Sie ermöglichten den Bau einer Wasserleitung und die Errichtung eines Kinderheimes im Ort bei.1) Ihre Verstorbenen musste die Kehilla auf dem Guten Ort in Ebern bestatten, bis sie im Jahre 1835 den Boden für einen eigenen Friedhof erwarben. Die erste Lewajia war am 8. Juli 1835 die von dem 14-jährigen Mädchen Bärle Frank sel. A.. Durch die 1861 verabschiedeten Emanzipationsgesetze nahm die Zahl der jüdischen Bürger Memmelsdorfs stetig ab. Viele zogen in größere Städte oder wanderten in die USA aus. Von 1915 bis 1933 war Louis Lauchheimer der Vorstand der Gemeinde. Der letzte Eintrag im Gemeindebuch stammt vom 29. 8 1937 und behandelte die Neuwahl des Gemeindevorstands.
Das Verhältnis innerhalb der Dorfgemeinschaft verschlechterte sich zusehends. 1926 schändeten unbekannte Täter den Guten Ort. Auch 1999 wurde der Gute Ort geschändet. Täter: unbekannt.

1) Sabine Stenzel, Ortszeitung